Nachbarschaftsbesuch aus Prag
Austauschgruppe der Prager „Naturschule“ festigt bayerisch-tschechische Freundschaft
Schüler und Lehrerschaft des Bogener Veit-Höser-Gymnasiums staunten nicht schlecht, als sie zu Beginn der freitäglichen Pause in der Schulaula nicht nur einen einladenden blauen Pavillon mit tschechischen Spezialitäten, vielen bunten Fotos und Informationsmaterial vorfanden, sondern auch mit fetzigen Gitarrenrhythmen und Jonglierkunststücken begrüßt wurden. Auf diese originelle Art präsentierte sich eine zwölfköpfige Austauschgruppe der Prager „Naturschule“ (Prirodni skola), die sich noch bis zum Faschingssonntag in der Bogener Region aufhält. Der Brückenschlag nach Prag ist einer Elterninitiative zu verdanken, welche nun schon im zweiten Jahr die internationalen Kontakte der UNESCO-Projektschule Veit-Höser-Gymnasium ergänzt und bereichert. Katerina und Ivan Push, beide selbst aus Tschechien stammend, sehen sich der Idee verpflichtet, dass Weltoffenheit zunächst einmal mit guten Beziehungen zum Nachbarn beginnt. So gründeten sie zusammen mit einigen Schülern und Schülereltern des Veit-Höser-Gymnasiums die Arbeitsgemeinschaft „Arta Amicitia“ (lateinisch für „enge Freundschaft“), welche die Festigung der bayerisch-tschechischen Freundschaft zum Ziel hat. Dieser rührige Verein hat nicht nur eine Reihe von wechselseitigen deutsch-tschechischen Besuchen ermöglicht, sondern kümmert sich auch um die kulturelle Anbindung an die Landeshauptstadt München, zum Beispiel anlässlich der „Nacht der Museen“. Die fünf Buben und fünf Mädchen aus Prag, begleitet von ihrer jungen Deutschlehrerin Vlad’ka Smolková und dem deutschstämmigen Austauschleiter Johanes Karl lernen zunächst einmal das Veit-Höser-Gymnasium kennen und tauchen dann in den niederbayerischen Fasching ein. Am Samstag steigt die internationale Jugendfaschingsparty mit Kostümprämierung im ehemaligen Bahnhof Mitterfels. Und selbstverständlich ist man beim großen Bogener Faschingszug mit dabei. Die Prager „Naturschule“ wurde kurz nach der Wende von dem jungen Pädagogen Frantisek Tichý als Alternative zum staatlichen Massenschulbetrieb gegründet. Sie beschränkt sich auf maximal 70 Schüler und arbeitet mit altersgemischten Gruppen. Pädagogische Schwerpunkte sind die Erfahrung der Natur und die Entwicklung der eigenen Kreativität, zum Beispiel durch Theater-, Film- und Musikproduktionen. Das vielsagende Moto der jungen Schule lautet: „Ein Mensch, der die Naturschule absolviert hat, sollte ein Mensch sein, der das Glücklichsein beherrscht.“
(Alfons Kitzinger)
|