Schultheater des Veit-Höser-Gymnasiums begeisterte mit „Was wäre, wenn …“


Die Botschaft: leben mit allen Konsequenzen

 

(erö) Nach der „schwarzen“ englischen Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“ wagte sich in diesem Jahr die Theatergruppe des Veit-Höser-Gymnasiums an ein ernstes, zeitgenössisches Stück. Auf Wunsch der Schüler wurde „Was wäre, wenn …“ nach dem katalanischen Stück „morir (sterben) von Segi Belbel aufgeführt. Theater spielen hat bei uns eine lange Tradition. 20 Jahre lang sei unter der Leitung von Frau Schuler-Kaufmann die Theaterkultur gepflegt worden und werde seit 2010 von Birgit Englmeier mit Leidenschaft weitergeführt, betonte zu Beginn Schulleiter Helmut Dietl.


In „was wäre, wenn…“ sinniert ein erfolgloser Bühnenautor über sein neues Stück, ein Stück, in dem auf vielfältige, alltägliche Weise gestorben wird. Was aber wäre, wenn der Lebensfilm eines Sterbenden eine ewige Sekunde lang angehalten werden könnte und der Betroffene die Wahl hätte, entweder zu sterben oder ein Leben nach seinem Wunsch führen dürfte. In Luxus, Langeweile oder einfach in Durchschnittlichkeit, überlegt sich der Autor. Und dann entspinnt sich ein Spiel mit sechs lose aneinander gereihten Szenen, in denen gestorben wird: Ein Alkoholkranker trinkt sich tot, ein Bulimie-krankes Mädchen verweigert das Essen, ein Drogenabhängiger setzt sich den Goldenen Schuss, eine nörgelige Kranke erliegt einer Komplikation, eine Motorradfahrerin wird ausgerechnet von einer Polizistin überfahren und zuletzt soll eine junge Mutter durch eine Auftragskillerin ermordet werden. Sie alle verbindet nicht nur das Sterben. Sie alle sind auch Opfer unbewältigter Konflikte, eigener oder fremder. „Es besteht die dringende Notwendigkeit, dass etwas passieren muss“, weiß die kranke Lehrerin. Und dann, ganz plötzlich, wird die Zeit angehalten, die Entscheidung für das Leben fällt, mit allen Konsequenzen für die Betroffenen. Diese Konsequenzen sind jedoch nicht immer angenehm.
Ein aktuelles, ein spannendes Stück. Erstaunlich, wie bedingungslos, mit Intensität und Kraft sich die jungen Leute in die Thematik von Tod und Leben einfühlten. Spannung herrschte vom ersten Moment an, wenn der Drehbuchautor – hervorragend Gregor Simmich – und seine Frau (Larissa Hanko) über Leben und Tod sinnieren und eigene Ängste preisgeben werden. Beklemmend realistisch der Drogenabhängige (Herbert Graf) und seine Schwester (Johanna Buchtala), die ihm vergeblich zu helfen versucht. Eindrucksvoll auch die überforderte Mutter (Carina Watscheder), die ihrer Tochter (Tatjana Kranz) mit falsch verstandener Liebe die Hölle bereitet. Oder der Konflikt am Krankenbett zwischen einer nörgeligen Patientin (Jessica Stadler) und ihrer Krankenschwester (Jessica Speck). Ein Alptraum gar die nervöse Polizistin (Claudia Wittl) mit ihrem Kollegen (Adam Konieczny) auf Verbrecherjagd, ohne Rücksicht auf die Motorradfahrerin (Selina Kerscher). Besonders schrecklich die Wahnvorstellungen des Alkoholikers (Tim Kuchler), der von Geisterwesen heimgesucht wird. Den Höhepunkt erfährt die Spannung in der letzten Szene, wenn die zynische Killerin (Daniela Baier) sich mit gezückter Pistole auf einen minutenlangen Diskurs mit ihrem Opfer (Alexandra Kranz) einlässt. Und da wendet sich das Blatt: „Ich will nicht tot sein, ich will leben“, ruft das Opfer – und der Wunsch erfüllt sich auf wunderbare Weise. Alle erhalten eine neue Chance. Denn es zeigt sich, dass Jeder mit Jedem auf geheimnisvolle Weise in Verbindung steht. Untermalt werden die Szenen mit dramatisch-erzählender Klaviermusik von Tim Kuchler, Daniela Baier und Claudia Wittl am Flügel. Ein dichtes Spiel mit starken Darstellern und anrührenden Szenen. Wohl deshalb haben die Jugendlichen gerade dieses Stück ausgewählt. Ganz großes Schultheater ist da gelungen.

Ein Wermutstropfen beendete den Abend: Von Schulleitung und Elternbeirat verabschiedet wurden 13 Abiturientinnen und Abiturienten, die mit dem Gymnasium auch die Theatergruppe verlassen. Deshalb seien neue Mitspieler immer willkommen, betonte Birgit Englmeier.
 
Elisabeth Röhn, Straubinger Tagblatt vom 11.04.2011

 

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