Europa als Kartenhaus
Europa als Kartenhaus
Ganz im Zeichen der Griechenlandkrise stand heuer das Planspiel Model European Parliament (MEP) im holländischen
Kerkrade. So bezeichnete denn auch der Schülerpräsident der Veranstaltung, Kyran Samy, in seiner Eröffnungsrede Europa
als Kartenhaus, das nur durch tragfähige Entscheidungen vor dem Einstürzen bewahrt werden könne. Dieses Bild von Europa
machte sich auch die Aachener Europaabgeordnete Sabine Verheyen zu eigen, die als Gastrednerin eingeladen war und
danach geduldig die teils von einer düsteren Zukunftsvision Europas geprägten Fragen der Schülerparlamentarier beantwortete,
wobei sie nicht müde wurde, auf die gute Konstruktion des europäischen Kartenhauses hinzuweisen. Mit diesem Bild vor
Augen führten vergangenes Wochenende sechs Schüler des Veit- Höser-Gymnasiums Bogen unter der Leitung von Studienrat
Michael Käser für drei Tage das Leben eines Europaparlamentariers und bekamen so einen wertvollen Einblick in die
momentan besonders raue Welt der Politik. Auch dieses Jahr opferten die Bogener Schüler einen Teil ihrer Herbstferien für die
Teilnahme an MEP – einer Parlamentssimulation im holländischen Kerkrade organisiert von der AFNORTH International School
in einem wunderschönen alten Kloster. So schlüpften auch diesmal wieder Jugendliche aus ganz Europa, aber auch aus
Nordamerika in die Rolle von Europaabgeordneten, um verschiedene aktuelle politische Probleme in der Parlamentssprache
Englisch zu diskutieren. Herausgeputzt in Anzug und Krawatte oder Kostüm engagierten sich die Schüler dabei in
verschiedenen Parteien (Konservative, Sozialdemokraten, Grüne und Liberale) in speziellen Komitees für die ihnen vorher
zugeteilten Länder. Dabei gilt es, taktisch klug und durch geschickt gewählte Koalitionen die Vorstellungen der jeweiligen
Partei in den endgültigen Gesetzestext einfließen zu lassen. Nachdem am Freitag schon die ersten Gesetzesvorschläge
ausgearbeitet worden waren, wurden diese am Samstag kontrovers mit den anderen Parteien diskutiert und gegebenenfalls
Kompromisse eingegangen, um dann einen Beschluss zu fassen. Abschließend musste das Gesetz dann in der
Vollversammlung die Mehrheit aller 303 Abgeordneten finden. Die Koalitionspartner wurden aber nicht nur in heftigen Debatten
gewonnen, sondern auch beim gemeinsamen freundschaftlichen Austausch am Mittagstisch oder in gemütlicher abendlicher
Runde. So bildeten sich unter den Teilnehmern aus ganz Europa Freundschaften und die Schüler erfuhren, dass Politik nicht
nur äußerst spannend ist, sondern auch Spaß machen kann. Alles in der Hoffnung, dass das Kartenhaus nicht einstürzt.
(Michael Käser)
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