„Heute sind wir alle glücklich“
Veit-Höser-Gymnasiasten im Kontakt mit Bogener Asylbewerbern
Es war keine ganz gewöhnliche Zoo-Besuchergruppe, die da kürzlich vor dem Straubinger Tierpark dem Ausflugsbus entstieg. Die dunkle Hautfarbe und die Kopftücher der Frauen ließen erkennen: Das sind Menschen, die von weither kommen. Tatsächlich handelte es sich um Asylbewerber aus der Gemeinschaftsunterkunft in Bogen-Furth, die einer Einladung des Wahlkurses „Interkulturelles Lernen“ des Veit-Höser-Gymnasiums gefolgt waren: Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus Somalia, Kenia, Afghanistan, Serbien und dem Libanon. Der Ausflug, an dem sich auch Veit-Höser-Schülerinnen beteiligten, wurde ein voller Erfolg. Das lag nicht nur an der strahlenden Herbstsonne, sondern vor allem an dem Erlebnis, die Warteraum-Existenz der Asylunterkunft für ein paar frohe Stunden hinter sich lassen zu können. Unbeschwert wanderten Jung und Alt von Gehege zu Gehege, und als sich schließlich die somalischen Besucher den Tieren ihrer Heimat gegenüber sahen, gab es fröhliches Staunen – auch wenn die Straubinger Löwen ja eigentlich aus Nordindien stammen. Nach kurzer Einkehr im neuen Tierpark-Restaurant endete der Ausflug in recht gehobener Stimmung und mit überschwänglichem Dank gegenüber den Organisatoren. Ein Somalier fasste es im Namen aller zusammen: „Heute sind wir alle glücklich.“
Aber es soll natürlich mehr geschehen als nur ein einzelner Ausflug. Seit Anfang August trifft sich allwöchentlich ein Kreis von Asylbewerber(inne)n zum Deutschunterricht, den der pensionierte Gehörlosen-Lehrer Otto Bauernfeind leitet und bei dem sich auch VHG-Lehrer Alfons Kitzinger samt Schülern engagierte. Kitzinger erklärt: „Mit unserem interkulturellen Wahlkurs und mit der Amnesty-international-Schülergruppe wollen wir den Kontakt weiter vertiefen. Bei der Adventsfeier des Veit-Höser-Gymnasiums sollen die Asylbewerber mit dabei sein, und zwar mit einem eigenen Beitrag.“
Da man sich aber mit dem Thema „Asyl“ nicht gut ohne Hintergrundwissen auseinandersetzen kann, lud man die Diplom-Sozialpädagogin Barbara Stranninger des Straubinger Caritasverbands ein, die den VHG-Schülern grundlegende Informationen vermittelte. Frau Stranninger, welche die Kontakte überhaupt erst initiiert hatte, erklärte die Grundlagen des deutschen Asylrechts. Es räumt „politisch Verfolgten“ zwar Asyl ein, definiert den Begriff der politischen Verfolgung jedoch überaus eng. Ein Bürgerkrieg, wie er in Somalia nun seit zwanzig Jahren tobt, gilt demnach nicht als politische Verfolgung. Auch die politischen Wurzeln von Hunger und wirtschaftlicher Not blendet das Asylrecht aus. Da Flüchtlinge für ihr Fluchtvorhaben kein Visum erhalten, sind sie auf illegale Schleusung angewiesen, die schnell all ihre finanziellen Ressourcen aufzehrt. Menschen flüchten nicht leichtfertig, so Stranninger, sondern aus purer Not. „Was soll ein somalischer Familienvater tun, den die berüchtigte Al-Shabaab-Miliz vor die Alternative stellt: Entweder du gibst uns deinen Sohn oder du zahlst? Wie lange kann er zahlen?“ Ist der Entschluss zur Flucht gefasst, so folgt unter Umständen eine jahrelange Odyssee als Asylsuchender, an deren Ende nicht selten die Ablehnung steht. Allerdings greifen dann unter Umständen Abschiebehindernisse und führen eventuell zur „Duldung“. So kann nach der Genfer Flüchtlingskonvention zum Beispiel nicht in Bürgerkriegsländer abgeschoben werden.
Die Unterbringung von Asylbewerbern in Sammelunterkünften, wie sie in Bayern die Regel ist, führt zu massiven menschlichen Härten. Das Leben besteht dann aus „Essen, Schlafen, (Fernseh-)Schauen“, wie Otto Bauernfeind schildert. Und Kitzinger fügt hinzu: „Wir suchen zur Zeit nach einer Arbeitsmöglichkeit für einen somalischen Familienvater, aber wir finden nichts.“ Trotzdem wollen die Bogener Schüler zusammen mit Frau Stranninger und freiwilligen Helfern versuchen, eine menschliche Perspektive zu geben. Denn sie haben erfahren, dass schon kleine Versuche helfen und allen Beteiligten große Freude machen – trotz alledem.
(Alfons Kitzinger)
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