Das Deutsch-P-Seminar auf Kulturfahrt

22Sep2019

Weimar, eine Stadt der Kultur. Eine Stadt, in der nicht nur während der Klassik die größten deutschen Dichter und auch Denker lebten, sondern auch später der Philosoph Nietzsche und die Künstler und Visionäre des Bauhauses.

So ist es auch kein Wunder, dass in Weimar aus allen Epochen der Neuzeit Architektur zu finden ist. Von Klassizismus und Jugendstil, den ersten Schritten der Bauhausgruppe, bis über Bauten der NS-Zeit und des SED-Regimes. So ist es nicht weiter strittig, dass sich Weimar bestens für eine Kulturreise im schulischen Rahmen eignet. Um uns, dem P-Seminar „Planung und Durchführung einer Studien- und Kulturreise nach Weimar“, die Stadt in Thüringen näherzubringen, nahm sich OStRin Christine Sommerfeld der Aufgabe an, im Schulhalbjahr 11/2 die Planung zu überwachen und zu koordinieren. Auch wenn die Arbeit im Seminar die meiste Zeit darin bestand, sich durch den Bürokratie-Dschungel der deutschen Behörden zu kämpfen bzw. Telefonmarathons mit den zuständigen Kultureinrichtungen zu absolvieren, war es dennoch stets interessant, sich einmal selbst um Anreise, Unterkunft und Programm zu kümmern.

Nach Monaten der Planung war es schließlich so weit: Am Freitag, dem 6.9.2019, standen alle Seminarteilnehmer und die Lehrkräfte Frau Sommerfeld und Herr Winter pünktlich um 07:50 Uhr, für die Ferien frühmorgens, am Bahnhof Straubing und warteten auf den Zug, der sogar ohne Verspätung, um 08:02 Uhr ankam. Nach ca. 4 Stunden Fahrt, waren wir also in Weimar und konnten beim Aussteigen schon ein wenig von der wunderschönen Altstadt sehen. Unsere Unterkunft war nur einige hundert Meter weit vom Bahnhof weg, was mit dem Gepäck außerordentlich praktisch war. Obwohl wir gerade erst angekommen waren, gingen wir sofort los, um zumindest die wichtigsten und markantesten Gebäude und Plätze der Stadt zu sehen, bevor wir unsere Zimmer beziehen konnten. Natürlich wurde danach eine kurze Pause eingelegt, um Geist und Körper zu erholen, damit wir am Abend fit für die Vorführung „Schiller, ewig jung“ im Theater im Gewölbe waren.

Am nächsten Tag ging es unter dem Motto „Bauhaus“ weiter. Gerade 2019 ist das Thema Bauhaus in Weimar sehr präsent, da mit der Gründung 1919 durch Walther Gropius, das Bauhaus sein 100-jähriges Jubiläum feiern konnte. Die Stilrichtung Bauhaus zeichnet sich durch Minimalismus, Moderne und den Leitsatz „Die Form folgt der Funktion“ aus, was zu dieser Zeit durchaus als avantgardistisch betrachtet wurde.

Um diese ganze Kunstepoche richtig zu erleben, besuchten wir zuerst, das Bauhaus Museum Weimar (Eröffnung im April 2019), in dem etliche Exponate und Informationen über und rund um das Bauhaus zu finden sind. Später besuchten wir das Neue Museum Weimar, in der die Geschichte Weimars und die bedeutendsten Gesichter, mit Ausnahme von Goethe und Schiller, durch eine hervorragende Ausstellung lebendig wurden. Des Weiteren befindet sich dort eine Kunstausstellung, die sich über viele verschiedene Kunstepoche erstreckt.

Gefüttert mit all diesem Wissen war es nun an der Zeit, eine Umsetzung der Gedanken der Bauhaus-Architekten zu betreten. Genau dies war uns durch das „Haus am Horn“ möglich, das der erste tatsächliche Bau in diesem Stil ist. Als letzte Station des Tages besuchten wir das Haus „hohe Pappeln“, das vor allem für die damalige Zeit (1907/08) sehr außergewöhnlich geplant und gebaut worden war. Dieser ereignisreiche Tag klang durch eine gemütliche Runde beim gemeinsamen Bowlen aus. Der eigentliche geplante nächtliche Spaziergang unter dem Motto „Das Bauhaus bei Nacht“ (angeboten von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar) wurde leider kurzfristig abgesagt. Die versierten Reiseplaner des P-Seminars konnten aber sehr spontan die oben genannte „Ersatzveranstaltung“ organisieren.

Wenn man nun in Weimar ist, ist es fast ein Ding der Unmöglichkeit, die Orte der bedeutendsten Epoche für Weimar nicht zu besuchen. So war es der dritte Tag, den wir der Weimarer Klassik widmeten und den ganzen Tag auf den Spuren des Viergestirns, Goethe, Schiller, Wieland und Herder durch die Stadt zogen, um die Orte ihres Arbeitens und Wirkens zu besuchen. Als Erstes war natürlich das Wohnhaus, des wohl bekanntesten deutschen Schriftstellers, Johann Wolfgang von Goethe, zu besichtigen, das neben einer sehr gut erhaltenen Einrichtung auch ein beeindruckendes Museum mit zahlreichen Original-Exponaten von Goethes Leben zu bieten hat. Direkt im Anschluss besuchten wir Schillers Wohnhaus, die weltberühmte Herzogin Anna-Amalia Bibliothek, das Römische Haus und das Wittumspalais.

Spätestens nach diesem Tag war auch jedem Teilnehmer bewusst, dass es sich hierbei um keinen Urlaub, sondern um eine „Wander“- und Kulturreise handelte. Zum Abschluss dieses vollgepackten Tages, war es allen recht, zusammen in einem griechischen Restaurant einzukehren und danach mit vollem Magen erschöpft ins Bett zu fallen.

Auf diese doch eher anstrengenden Tage kam es den meisten sehr entgegen, dass der Montag in der Landeshauptstadt Erfurt lockerer gestaltet war. Das Programm begann um 10:00 Uhr mit einer Führung bei Kika, die bei manchen, durch den Dreh („Das Baumhaus“), der gerade stattfand, Kindheitserinnerungen weckte. Bis zum nächsten großen Programmpunkt war noch etwas Zeit, was es uns ermöglichte, die Stadt selbst ein wenig zu erkunden. Das Nächste was anstand, war der Thüringer Landtag. Wenn man in der elften Klasse in Sozialkunde eventuell noch ein paar Lücken hatte, konnte man im Rahmen der Führung seine Kenntnisse in Regierungsbildung und Wahlen wieder auffrischen. Immer wieder verstreut über den Tag besuchten wir Sehenswürdigkeiten wie die Zitadelle, den Erfurter Dom, den Fischmarkt und die Krämerbrücke.

Der Ruf der Deutschen Bahn ist nicht unbegründet. Das mussten wir leider bei der Heimreise feststellen, da sich der Anschlusszug in Erfurt um ca. eine dreiviertel Stunde verspätete, was das Erreichen des Zuges in Nürnberg zu einem Sprint werden ließ. Trotz der Verspätung kamen wir am 10.09.2019 um halb drei wieder sicher in Straubing an. So schnell sind fünf Tage vorbei.

Spätestens nach diesen gelungenen fünf Tagen war klar, obwohl es im Vorhinein schon einmal an der ein oder anderen Stelle Zweifel gab, ob wir die Reise überhaupt antreten können, dass sich die Anstrengungen der Schüler des P-Seminars „Organisation und Durchführung einer Kultur- und Studienreise nach Weimar“ und OStRin Christine Sommerfeld allemal gelohnt haben.

Am Schluss nochmal ein Dankeschön an alle, die sich engagiert haben und im Namen des P-Seminars eine so lehrreiche und dennoch kurzweilige Fahrt auf die Beine gestellt haben. Ein besonderer Dank geht auch an Herrn OStR Bernd Winter, der als Begleitlehrer immer mit Rat und Tat zur Seite stand.

 

Korbinian Schwarzmaier (Q12)