Theaterbesuch der Q11 – „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Berthold Brecht

12Feb2020

Dass Literaturunterricht nicht nur das teilweise doch sehr mühsame Analysieren von Dramenszenen aus gelben Reclam-Heftchen bedeutet, erfuhren die Schülerinnen und Schüler der Q11 am Mittwoch, den 12. Februar 2020 im Straubinger „Theater am Hagen“. Das Stück „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ von Berthold Brecht stand auf dem Programm und wurde in sehr beeindruckender Weise auf die Bühne gebracht.

Brecht (1898-1956) schrieb seine Parabel über den Aufstieg Adolf Hitlers 1941 im finnischen Exil. Eine Aufführung, die er sich in den USA erhofft hatte, kam nicht zustande. So wurde das Werk erst nach seinem Tod 1958 in Stuttgart uraufgeführt. Brecht erzählt Hitlers Weg zur Macht von 1929 bis zum Anschluss Österreichs 1938 anhand der Figur des Gangsters Arturo Ui, einer Karikatur Al Capones.

 

Eine Wirtschaftskrise braut sich im Chicago der dreißiger Jahre zusammen. Der Karfioltrust, ein Zusammenschluss von Unternehmen, der die Einzelhändler mit Blumenkohl und anderem Gemüse versorgt, findet keinen Absatz mehr. Der Gangsterboss Arturo Ui bietet den Geschäftsleuten an, mit Gewalt und Drohungen für mehr Umsatz zu sorgen. Diese lehnen zunächst ab. Als Ui allerdings seine Macht unter Beweis stellt, indem er einen Speicher in Brand setzen lässt und die Gemüsehändler so zu Schutzgeldzahlungen zwingt, lenkt auch der Karfioltrust ein. Dem Gangsterboss gelingt es, mit Brandstiftung und Mord seine Macht auszubauen. Von einem Schauspieler lässt Ui sich beibringen, wie man eine große Masse von Menschen manipulieren kann. So kann er sich auch die Nachbarstadt Cicero unter den Nagel reißen und die Kontrolle übernehmen.

 

Die aussagekräftigen Bilder und Filme, die immer wieder im Hintergrund des Bühnenbildes zu sehen waren, die übergroßen Masken und die Musik erleichterten den Schülerinnen und Schülern das Verständnis des Stücks und halfen ihnen, seine Aktualität - eine Warnung vor Rechtsextremismus und vor autoritären Herrschern – zu erkennen.  Denn im Epilog des Dramas heißt es treffend, „der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“

 

J. Meier